Christkind auf Umwegen

Es war Winter geworden. Der erste Schnee war da. Die Tage wurden kürzer. Mika und Kleo verbrachten die meiste Zeit nun in ihrem warmen Heizungskeller. Anton hatte den Hof schon mit Lichterketten geschmückt und aus seinem Wald eine Tanne geholt. Weihnachten stand vor der Tür.

Mika und Kleo wollten sich das Festessen und die Bescherung nicht entgehen lassen und schlüften aus ihrem Kellereck. Normalerweise bekamen sie auch immer etwas von der Ente ab.

„Mika, komm, lass uns noch mal in den Wald gehen und für Maria und die Kinder nach einem Geschenk suchen“, schlug Kleo vor. „Gute Idee. Vielleicht finden wir noch ein paar Nüsse und Zweige. Und so wird uns auch nicht langweilig, bis es endlich Essen gibt“, antwortete Mika.

Sie machten sich auf den Weg. Im Wald lag nur eine dünne Schneeschicht und sie konnten den Boden leicht nach Eicheln, Nüssen und schönen Zweigen absuchen.

ChristkindmitGeschenkePlötzlich hörten sie es laut rufen: „Hilfe, Hilfe, hört mich denn niemand?“ Mika und Kleo rannten los. Was war da nur passiert? Mitten im Wald sahen sie plötzlich ein helles Leuchten. Es war ein Kind mit blonden, langen Haaren, einem weißen Kleid und kleinen goldenen Flügeln. Es saß am Boden und konnte nicht mehr aufstehen.

Vorsichtig gingen Mika und Kleo näher. Das Kind strahlte eine Güte aus, wie sie es bei einem Menschen noch nie erlebt hatten. Ihnen wurde ganz warm ums Herz. „Bist du das Christkind? Was ist denn mit dir passiert?“, fragten Mika und Kleo gleichzeitig.

„Ja, ich bin es. Ich wollte gerade in Blumendorf die Geschenke verteilen, als ich über eine Wurzel gestolpert bin. Könnt ihr mir helfen?“, erklärte das Christkind. Mika und Kleo waren wie gebannt. Das Christkind hatte eine so warme, weiche und zarte Stimme, wie sie es noch nie gehört hatten.

Mika konnte als Erster antworten. „Selbstverständlich helfen wir dir. Es wäre schrecklich, wenn die Kinder von Blumendorf heute keine Geschenke bekommen würden. Ruh dich aus. Zusammen mit den anderen Waldtieren verteilen wir die Geschenke.“

„Ja, genau. Und ich hole Stöcke und einen Verband, um dein Bein zu schienen“, erklärte Kleo und machte sich auf den Weg zum Pferdehof. Zum Glück hatte Maria im Stall immer einen Verbandskasten. Kleo holte zwei Mullbinden heraus und rannte, so schnell sie konnte, zurück zum Christkind.

Mika hatte währenddessen alle Tiere im Wald zusammengetrommelt. In jeden Fuchs- und Hasenbau hatte er geschaut, die Eichhörnchen aus ihren Nestern geholt und Rehe geweckt. Alle Tiere waren nun um das Christkind versammelt – sogar Bobby, der Marder, und Max, der Maulwurf, waren da.

„Wir müssen heute die Geschenke in Blumendorf verteilen. Stellt euch vor, was wäre, wenn Weihnachten heute ausfallen würde!“, erklärte Mika den Tieren. „Tausend Dank, ihr Lieben. Hier sind die Geschenke. Ihr müsst euch beeilen, damit euch keiner sieht. Noch sitzen die Menschen beim Abendessen“, erklärte das Christkind mit seiner lieblichen Stimme.

Jedes Tier nahm sich ein paar Geschenke – entweder auf dem Rücken oder zwischen den Zähnen –, so wie es eben am besten ging. Sie machten sich auf den Weg. Leise und geschwind gingen sie durch Blumendorf. Die Terrassentüren standen alle offen, sodass sie ohne Probleme die Geschenke unter den Christbäumen verteilen konnten. Mika hatte sich natürlich die Gaben für Maria und ihre Familie geschnappt. Er legte dort auch noch ein kleines Nest aus Moos und ein paar Nüsse und lange Zweige dazu.

ChristkindimWaldKleo war indessen zurück beim Christkind und hatte mit einem kleinen Ast und den Mullbinden den Fuß geschient. Vorsichtig versuchte das Christkind wieder aufzutreten. „Oh, es tut noch ein bisschen weh. Aber es ist damit viel besser. Ich glaube, so kann ich weitergehen. Es fehlen mir doch noch ein paar Dörfer in Bayern“, meinte es.

Langsam kehrten auch die anderen Tiere aus dem Dorf zurück. Alle versammelten sich um den blonden Engel. „Ich danke euch für eure Hilfe. Ich wünsche euch ein ganz besonderes Fest und segne euch“, sprach das Christkind zu den Tieren. Es hob seine Hand und strich jedem Tier über den Kopf.

Mika und Kleo spürten, wie ihnen ganz wohlig warm wurde. Alle Sorgen waren vergessen, auch Hunger und Durst waren weg. Sie waren einfach nur zufrieden und fingen an zu schnurren. Langsam machten sich alle Tiere auf den Heimweg. Auch Mika und Kleo gingen zurück zum Pferdehof.

extraabendessen

Die Geschichte ist eine gekürzte Fassung aus dem Kinderbuch „Mika und Kleo – Katzenabenteuer auf dem Pferdehof“ von Sybille Stegmair und Marianne Kranz, erhältlich überall im deutschen Buchhandel, auf Amazon oder direkt bei Books on Demand.

Frohe Weihnachten!

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